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Der Kopf des Löwen : Bemerkungen zur Komposition des Romans und Plan




Bemerkungen zur Komposition des Romans

Der Roman Qoëlet (dt.: Der Kopf des Löwen) erzählt vom ersten bis zum letzten Tag die Lebensgeschichte eines Mannes aus dem XVIII. Jahrhunderts und durch diese zugleich die Geschichte der Pockenimpfung im Abendland, genauer gesagt, in Frankreich.

Er schöpft seine Inspiration aus dem Buch Kohelet des Alten Testaments, das nicht nur seiner Hauptfigur den Namen Qoëlet (in bretonischer Form), sondern auch den zentralen Gedanken verleiht, dass es "nichts Neues unter der Sonne" gibt. Dieses Prinzip wird dadurch illustriert, dass Qoëlet durch die Reisen (er reist ständig, jedes Kapitel endet mit einer Aufforderung zum Aufbruch, fast immer zu einer Reise über das Meer) und die Entdeckungen, die er dabei macht, zu seinem Ausgangspunkt zurückgeführt wird: Die Pockenimpfung oder Vakzination, die er in Indien entdeckt, nachdem er bereits in Konstantinopel die Methode der Pocken-"Inokulation" beobachten konnte, hatte er selbst bereits als Kind in der Bretagne, dem Land, in dem er geboren wurde, erhalten.

Die letzten Worte, die Qoëlet sterbend spricht, sind das Leitmotiv jenes berühmten biblischen Textes: "Ein Jegliches hat seine Zeit."

Diese Worte weisen darauf hin, dass trotz der scheinbaren Sinnlosigkeit seiner Bemühungen die erduldeten Leiden, die erlittenen Rückschläge und die Entdeckung dessen, was er auch hätte finden können, ohne den häuslichen Herd zu verlassen, durchaus nicht vergeblich waren: Ein Jegliches hat seine Zeit, auch wenn es nichts Neues unter der Sonne gibt.
Über seine äußere Gestalt hinaus ist Qoëlet als ein Roman über Grund und Sinn des Daseins zu verstehen: Auf den Zweifel folgt die Gewissheit, auf das Leiden die Lust, auf den Schmerz die Freude – denn ein Jegliches hat seine Zeit.
Die Erzählung beschreibt in der Abfolge der sieben Kapitel, aus denen sie besteht, den Verlauf eines Lebens und der Entdeckung seiner verschiedenen Bewusstseinsebenen, und dieses Leben mündet, ausgehend von der Sinnsuche der ersten Jahre, am Ende in die Gewissheit, dass sich seine Bestimmung erfüllt hat, dass es sein Ziel erreicht hat.
So entwickelt der Protagonist im Laufe von Schicksalsschlägen, die ihn durch Europa, Asien und Indien führen, nacheinander das Bewusstsein für den Körper, die Intuition, die Gefühle, die Spiritualität, den Verstand, den Willen und schließlich für das Leben an sich, eine Entwicklung, die auch in den Titeln der Kapitel resümiert wird: Die Suche – Die Unabhängigkeit – Die Liebe – Das Einssein – Die Erkenntnis – Die Armut – Die Verzückung.

Jedes Kapitel steht somit unter einem besonderen Hauptthema, dem bestimmte Elemente der Szenerie zugeordnet sind, die leitmotivisch mit ihm zusammenhängen.

So setzt das erste Kapitel, "Die Suche", das Qoëlets Kindheit und Jugend beschreibt, den Akzent auf die Entdeckung des Körpers. Es ist mit der Farbe Weiss, dem Symbol der ursprünglichen Reinheit, assoziiert, verbunden mit der Begleiterscheinung von Aberglauben (die Zigeunerin, die "Weiße Königin") und Entwürdigung (Jean-Baptiste, diverse Räusche). Der in dem Kapitel regierende Planet ist der Mond, der regierende Edelstein ist die Perle, das regierende Metall das Silber.

Indem er die von seinen Eltern ausersehene Bestimmung ablehnt (sein Vater wünscht, dass er Soldat, seine Mutter, dass er Priester wird), gelangt Qoëlet zur Unabhängigkeit (vgl. Titel von Kapitel II): Er wird sich der Notwendigkeit bewusst, seinen Intuitionen zu folgen, und mit seiner neuen Freiheit zugleich verschiedenen Zwängen als unvermeidlichen Kehrseiten seiner Freiheit unterworfen. Die nun dominierende Farbe ist das Rot, der dominierende Planet ist Mars, beide Elemente sind assoziiert mit dem Krieg.

Der nachfolgende Plan zeigt ein Schema dieser Kompositionsstrukturen und ihrer narrativen Elemente, die im Text eher diskret in Erscheinung treten, aber das Verhalten des Protagonisten während der gesamten Erzählung bestimmen.

François de Gourcez

Übersetzung von Wieland Grommes
 
             
Plan


DIE SUCHE (weiß) : Entdeckung des Körpers
0 – 19 Jahre (1713 – 1732) – Kindheit und Jesuitenkolleg; der "Einarmige", Madeleine, la Reine Blanche (die "weiße Königin"), Jean-Baptiste
Glaube – Aberglaube – Silber – Perle – Reichtum – Reinheit – Entwürdigung – Mond

DIE UNABHÄNGIGKEIT (rot) : Entdeckung der Intuition
20 – 25 Jahre (1733 – 1738) – Mittelmeer, Konstantinopel ; Bussy, Pascha Bonneval
Kraft – Anmaßung – Rubin – Heldentaten – Prinzip Leben – Leidenschaft – Mars

DIE LIEBE (blau) : Entdeckung der Gefühle
25 – 34 Jahre (1738 – 1747) – Spanien, Südfrankreich, Paris; Marie, Gräfin von Lauragais, Vauvenargues, Graf von Lauragais
Hoffnung – Verzweiflung – Saphir – Treue – Jupiter

DAS EINSSEIN (schwarz) : Entdeckung der Spiritualität
34 – 49 Jahre (1747 – 1762) –Indien, Belagerung von Pondichéry ; Pater Lavaur (Jean-Baptiste), Baul, Lally
Vorsicht – Unvorsichtigkeit – Diamant – Demut – Saturn

DIE ERKENNTNIS (grün) : Entdeckung des Verstandes (Intelligenz)
49 – 53 Jahre (1762 – 1766) – Paris, Inokulation; La Condamine, Lauragais, Marquise de Pompadour
Recht – Unrecht – Smaragd – Ehre – Venus

DIE ARMUT (violett) : Entdeckung des Willens
53 – 69 Jahre (1766 – 1774) – der Prozeß, Rückkehr in die Bretagne, Einsamkeit; Marquise de Pompadour, Rat Pasquier, Marie
Nächstenliebe – Hass – Überdruß – Amethyst – Großzügigkeit – Merkur

DIE VERZÜCKUNG (gelb) : Entdeckung des Lebens
70 – 79 Jahre (1774 – 1782) – Flucht in die Heide, Verschwinden; der Alte
Mäßigung – Rausch – Gold – Topas – Edelmut – Sonne

 
             
 

Kritik

Illustrationen

Kohelet

 
             

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